
Die Rolle von Ärzt:innen verändert sich grundlegend. Neben der medizinischen Expertise gewinnen Führungs- und Gestaltungskompetenzen zunehmend an Bedeutung.
Die Rolle von Ärzt:innen verändert sich grundlegend. Neben der medizinischen Expertise gewinnen Führungs- und Gestaltungskompetenzen zunehmend an Bedeutung.

Ärztinnen und Ärzte sind heute nicht mehr ausschließlich in der direkten Patientenversorgung gefordert, sondern übernehmen Verantwortung in der Organisation, Entwicklung und strategischen Ausrichtung medizinischer Prozesse und Strukturen. Dieser Rollenwandel erfordert neue Fähigkeiten – von Kommunikation und Teamführung über Entscheidungs- und Veränderungsmanagement bis hin zu einem Verständnis für komplexe organisatorische Zusammenhänge.
Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die ärztliche Profession: Sie soll nicht nur individuell heilen, sondern auch Strukturen mitgestalten, die eine qualitativ hochwertige, effiziente und zukunftsfähige Versorgung ermöglichen. Dies verlangt von Ärzt:innen ein erweitertes Selbstverständnis – als klinische Expert:innen, Führungspersönlichkeiten und Mitgestaltende eines dynamischen Umfelds.
Damit wird die ärztliche Tätigkeit zunehmend zur Schnittstelle zwischen medizinischem Anspruch, interdisziplinärer Zusammenarbeit und strategischem Denken. Wer künftig Verantwortung übernehmen will, muss neben fachlicher Exzellenz auch die Kompetenz besitzen, Menschen zu führen, Prozesse zu steuern und Entwicklungen aktiv zu gestalten.
Allerdings werden Kenntnisse und Fähigkeiten in Führung und Management von Krankenhäusern und Einrichtungen im klassischen Medizinstudium nur am Rande vermittelt. Der berufsbegleitende MBA für Ärzt:innen der SRH Fernhochschule vermittelt nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Methoden-, Kommunikations- und Prozesskompetenz. Wer als Arzt in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen Zukunft gestalten möchte, findet hier die passenden Werkzeuge.
Dr. med. Karl Friedrich Kuhn, MBA, ist Unfallchirurg und Notarzt am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und seit kurzem Dozent an der SRH Fernhochschule. Sein Werdegang zeigt beispielhaft, welche Möglichkeiten eine hochschulische Management-Weiterbildung eröffnet: Nach seiner Promotion absolvierte Kuhn den MBA für Ärzt:innen an der SRH Fernhochschule, um gezielt Management- und Führungskompetenzen zu erwerben und ist heute selbst im Bereich Qualitäts- und Prozessmanagement als Dozent aktiv. Die Verbindung aus klinischer Erfahrung und aktuellem Know-how im Management macht ihn zum Bindeglied zwischen Theorie und Praxis. „Wirtschaftliche und organisatorische Aspekte spielen in der ärztlichen Praxis eine viel größere Rolle, als das Medizinstudium suggeriert“, so Kuhn.
Ein gutes Beispiel dafür ist ein Fall, der so auch in seinem Arbeitsumfeld vorkommen könnte: Die Implementierung eines klinischen Behandlungspfades in Kooperation mit einer Spezialklinik für Altersmedizin. Dr. Kuhn berichtet, wie auf diese Weise verschiedene Perspektiven – vom Chirurgen über die Pflege bis hin zu Verwaltung und Case Management – zusammenkommen, um pragmatische Lösungen für den Klinikalltag zu entwickeln.
Diesen Behandlungspfad hat er zusammen mit seinen Studierenden an der SRH Fernhochschule im Rahmen einer Case Study in Form eines strategischen Prozessmanagementprojekts exemplarisch entwickelt. Die Aufgabe bestand in der Entwicklung eines durchgehenden klinischen Behandlungspfades für geriatrische Patienten mit Frakturen des proximalen Femurs. Ziel des Projekts war die systematische Standardisierung der Behandlungsabläufe – von der Aufnahme über die operative Versorgung bis hin zur rehabilitativen Weiterbehandlung – sowie der Aufbau einer strukturierten Kooperation mit einer nahegelegenen Spezialklinik für Altersmedizin.
Im Fokus stand dabei die interdisziplinäre Vernetzung zwischen Orthopädie/Unfallchirurgie, Innerer Medizin, Pflege, Sozialdienst und der Geriatrie. Durch die frühzeitige Einbindung geriatrischer Expertise bereits während der Akutphase sollten funktionelle Verschlechterungen und Komplikationen reduziert, die Entlassungsplanung optimiert und die Versorgungskontinuität verbessert werden. Parallel dazu erfolgte eine Prozessanalyse, um Schnittstellenprobleme und Verzögerungen im Behandlungsablauf zu identifizieren.
Im prognostizierten Ergebnis sank die durchschnittliche Verweildauer der Patienten signifikant, postoperative Komplikationen traten seltener auf, und der Anteil an direkten geriatrischen Weiterverlegungen stieg deutlich. Auch das Entlassmanagement profitierte von klar definierten Kommunikationswegen und standardisierten Abläufen zwischen den beiden Einrichtungen.
Dr. Kuhn freut sich über diesen Erfolg: Prozessmanagement in Form klinischer Behandlungspfade zur Verbesserung von Behandlungsqualität, Wirtschaftlichkeit und sektorenübergreifender Versorgung beitragen kann – insbesondere bei komplexen, multimorbiden Patientengruppen. Bisher haben wir solch einen Pfad noch nicht in unserer Klinik implementieren können. Das wird aber kommen“, ergänzt er. Vorbild könne hierfür ein vor kurzem eingeführter Behandlungspfad für Patient:innen mit Dekubitus und Patient:innen mit Liegetrauma sein.
Der MBA für Ärzt:innen der SRH Fernhochschule ist darauf ausgerichtet, praxisnahes Lernen mit wissenschaftlicher Fundierung zu verbinden. Gleichzeitig ermöglicht das flexible Fernstudienmodell die Vereinbarkeit von Dienstzeiten, Privatleben und Weiterqualifizierung.
Dr. med. Karl Friedrich Kuhn, MBA, ist Unfallchirurg und Notarzt am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und Dozent an der SRH Fernhochschule. Foto: BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin