
Kaum zu glauben – aber wahr: Der Wert, den motivierte Mitarbeitende einem Unternehmen in Punkto Leistung und Produktivität bieten können, wird noch immer unterschätzt. Dabei belegen zahlreiche Studien diesen nicht nur, sondern sollten vielmehr Anlass sein, die Mitarbeitermotivation rasch und effizient zu steigern. Die gute Nachricht: Es gibt viele Ansätze, die sich bewährt haben. Wir zeigen, was in der Praxis funktioniert.
Die Zahlen sind so oder ähnlich wohl den meisten Führungskräften, Entscheider:innen, Teamleads und HR-Expert:innen bekannt. Sollten sie jedenfalls: Vielzitierte Quellen wie der Gallup-Report belegen anhand umfassender und regelmäßiger Studien, was Unternehmen von motivierten Mitarbeitenden haben. Wobei man eher „haben könnten“ schreiben müsste, denn die gemessenen Werte sind dramatisch und verschlechtern sich auch noch von Jahr zu Jahr!
Nur noch neun Prozent der Mitarbeitenden haben eine hohe Bindung zu ihrem Arbeitgeber, 78 Prozent machen lediglich noch Dienst nach Vorschrift. Jede und jeder Achte hat innerlich bereits gekündigt. Die Fragestellungen der Studie liefern (einige) Gründe gleich mit: Gerade mal elf Prozent halten ihr Unternehmen für agil, nur rund ein Drittel glaubt daran, dass der eigene Arbeitgeber finanziell eine Zukunft hat.

Mangelende Mitarbeitermotivation kostet deutsche Unternehmen hunderte Milliarden
Ein Fazit kann man sich hierzu sparen, die Zahlen sind verheerend. Auch wenn sich Produktivitätsverluste aufgrund mangelnder Motivation nur schätzen lassen, ist der genaue Wert angesichts solcher Dimensionen fast egal. Zwischen 113 und 134 Milliarden an Kosten verursachen allein die innerlichen Kündigungen. Die einzig gute Nachricht: Es liegt so viel im Argen, dass fast jede Maßnahme, die sich zur Steigerung der Mitarbeitermotivation bewährt hat, zu empfehlen ist. Schlimmer kann es kaum kommen.
Dennoch sollten Sie sich genau mit den Optionen befassen, damit Sie die richtige Strategie für Ihre Belange identifizieren und umsetzen können.
Definition
Mitarbeitermotivation ist die gezielte Einflussnahme auf das Leistungsverhalten von Angestellten durch positive Anreize. Ziel ist es, Arbeitszufriedenheit, Engagement und Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden zu steigern und so das Erreichen von Unternehmenszielen zu fördern. Wichtige Faktoren sind sowohl materielle Anreize wie zum Beispiel Gehalt und Boni als auch immaterielle Faktoren wie eine positive Arbeitsumgebung, Anerkennung, Karrierechancen und die Förderung der persönlichen Entwicklung. Auch psychologische Faktoren wie das kollegiale Umfeld und der Führungsstil haben großen Einfluss.
Motivieren, aber wie? Intrinsische und extrinsische Motivation
Extrinsische Motivation
Extrinsische Motivation ist durch äußere Anreize und Einflüsse bedingt. Ganz grundsätzlich lassen sich diese in Belohnungen und Bestrafungen unterteilen. Im unternehmerischen Umfeld sind Gehaltserhöhungen, Beförderungen oder Boni typische Beispiele für Belohnungen. Wichtig: Auch „Bestrafungen“ wie Kritik durch Kollegen und Vorgesetzte oder Abmahnungen zählen zur extrinsischen Motivation – auch wenn man solche negativen Maßnahmen seltener mit positiven Effekten wie gesteigerter Motivation assoziiert.
Intrinsische Motivation
Intrinsische Motivation meint dagegen den inneren Antrieb eines Menschen. Motivation und Leistungsbereitschaft also, die sich entwickeln, wenn Menschen Freude an ihrer Arbeit haben und einen Sinn in dem sehen, was sie täglich tun. Fühlen sich Mitarbeitende wertgeschätzt, erfahren Vertrauen und dürfen Verantwortung übernehmen, dann steigt auch die intrinsische Motivation.

Der Sinn von Arbeit: Warum man die Emotionen der Mitarbeitenden nicht unterschätzen sollte
Aus Sicht der Unternehmen hat man bei der extrinsischen Motivation mehr Handhabe. Gehaltserhöhungen und Beförderungen sind ja nicht umsonst gängige Praxis. Was den Mitarbeitenden dagegen im Inneren motiviert, ist seine oder ihre Sache? Falsch, denn die intrinsische Motivation ist nachhaltiger und somit – immer an die oben genannten Zahlen denken – langfristig wertvoller für den Arbeitgeber. Dann wird aus Motivation nämlich nachhaltige Mitarbeiterbindung mit vielfältigen positiven Effekten für ein Unternehmen.
Geht es um Emotionen und Gefühlswelt der Mitarbeitenden, sind die Möglichkeiten der positiven Einflussnahme ebenso vielfältig, wie es die Menschen sind, mit denen Sie es zu tun haben. Sie sind aber langfristiger angelegt und lassen sich nicht auf einzelne Aspekte reduzieren. Man kann sie aber in Themenbereiche gruppieren:
Arbeitsatmosphäre: Kommunikation, Lob und Anerkennung
Die Schwaben haben ein Sprichwort: Nicht geschimpft sei genug gelobt, heißt es. Doch solche Sichtweisen haben in Unternehmen heute ausgedient. Eine klar kommunizierte Wertschätzung für gute Leistungen ist entscheidend und gibt dem Tun Sinn. Das gilt natürlich auch für das Miteinander der Mitarbeitenden und für die Kommunikation im Allgemeinen. Vor allem aber Führungskräfte tun gut daran, sich regelmäßig und transparent mit den eigenen Leuten auszutauschen. Gerade wenn auch Probleme und Negatives offen angesprochen werden, fühlen sich Mitarbeitende einbezogen. Das Wir-Gefühl steigt.
Weiterbildung und Entwicklung: So fassen Mitarbeitende nachhaltig Vertrauen – und danken es ihrem Unternehmen mit mehr Engagement und Eigenverantwortung
Wer will schon gerne auf der Stelle treten? Gerade motivierte Mitarbeitende möchten sich entwickeln können. Geben Sie ihnen die Chance zu wachsen, indem Sie ihnen Vertrauen entgegenbringen und attraktive Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten. Denn wenn Mitarbeitende Fachwissen und notwendige Skills ausbauen – und vor allem auch im Job anwenden können – dann gehen sie engagierter an die Arbeit. Ganz abgesehen davon, dass das Unternehmen neben der gesteigerten Motivation auch vom neuen Know-how profitiert. Ergänzen Sie Inhouse-Lösungen wie regelmäßige Seminare und Coachings dabei durch externe, berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten!
Flexibilität, Work-Life und Incentives
Dass Mitarbeitende sich heute Flexibilität im Job wünschen, wissen die Unternehmen längst. Dennoch sind die Akzeptanz von Home-Office-Lösungen und die Umsetzung flexibler Arbeitszeitmodelle noch lange nicht selbstverständlich. Es gibt ja auch gute Gründe, auf Anwesenheit zu pochen. Aber die Mehrzahl wünscht sich entsprechende Regelungen, die auch gelebt werden müssen. Wenn die Geschäftsleitung nach außen hin Home-Office gutheißt, Abteilungsleiter:innen aber die Nase rümpfen, wenn Mitarbeitende dies nutzen wollen, ist einem produktiven Miteinander nicht geholfen.
Ebenso halbherzig agieren Unternehmen oft, wenn sie Aktivitäten für ihre Mitarbeitenden anbieten. Mit viel Engagement erarbeitete Erfolge gemeinsam und angemessen feiern? Die Verpflegung mit etwas frischem Obst und wirklich leckeren Snacks auf ein neues Level heben, weil Liebe nun mal durch den Magen geht? Die Weihnachtsfeier zum echten Höhepunkt im Jahreskalender gestalten? Viele Unternehmen tun sich gerade mit Anlässen schwer, die eigentlich ganz selbstverständlich Freude machen sollten. Doch unterschätzen sollte man die diese Themen nicht. Eine Weihnachtsfeier, ob gelungen oder nicht, ist fast immer ein Thema bei den Mitarbeitenden. Fragen Sie mal nach!
The Devil in the Details? Warum Sie es sich nicht zu kompliziert machen sollten
Oft werden Methoden zur Mitarbeitermotivation unpräzise beschrieben, Begrifflichkeiten unterschiedlich ausgelegt. Umgekehrt nehmen es die Expert:innen manchmal sehr genau. So wird zum Beispiel zwischen Lob und Anerkennung unterschieden: Lob als effektive Maßnahme mit Blick auf individuelle Leistung, Anerkennung als eher grundsätzliche Haltung den Mitarbeitenden gegenüber. Beides ist wichtig und sollte selbstverständlich sein, die Grenzen sind aber eher fließend. Eine grundsätzlich wertschätzende Haltung zeigt sich auch daran, dass gelobt wird.
Fehlerkultur ist hier das Stichwort. Die ist nun mal maßgeblich von den Führungskräften bestimmt. Diese sollten in Sachen Mitarbeitermotivation grundsätzlich Vorbild sein. Achtet die Unternehmensleitung auf wertschätzende und transparente Kommunikation, nimmt sich auch die mittlere Führungsebene ein Beispiel daran. Und nicht zuletzt die Mitarbeitenden selbst. Haben sie das Gefühl, es mit sachlicher und konstruktiver Kritik zu tun zu haben, nehmen sie diese an und setzen sich mit anstehenden Herausforderungen eher auseinander. Viele kleine Schritte also, wenn man so will, die in Summe viel verändern können.
Und was bringt das alles? Mitarbeitermotivation messen
Erfolge müssen messbar sein, keine Frage. Doch sollten Sie sich beim Thema Mitarbeitermotivation genau überlegen, nach welchen Kriterien Sie vorgehen – die wiederum abhängig sind von den Zielen, die sich ein Unternehmen in Bezug auf diese Maßnahmen setzt. Die direkte Methode ist in der Regel die anonyme Mitarbeiterbefragung. Persönlicher sind natürlich offene Feedbackrunden oder das klassische Mitarbeitergespräch. Idealerweise ergänzen sich die Methoden.
Doch lässt sich gerade Motivation auch indirekt ablesen, wenn Sie bestimmte Kennzahlen im Blick behalten. Dazu zählen Fluktuationsrate, Fehlzeiten und Krankenstand, aber auch die Produktivität des Unternehmens oder Beschwerden seitens der Mitarbeitenden. Wichtig ist aber, alle relevanten Zahlen kontinuierlich im Fokus zu behalten. Mitunter mag es rasche Effekte geben, grundsätzlich ist die Mitarbeitermotivation aber ein langfristiges Vorhaben.

Fazit
Geht es darum, die Mitarbeitermotivation in deutschen Unternehmen endlich zu verbessern, dann ist es nicht erst fünf nach Zwölf – es geht bereits auf die Abendstunden zu. Auch wenn Panik nie ein guter Ratgeber ist, sollte man sich die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen klarmachen, die durch mangelnde Motivation verursacht werden.
Gerade deshalb muss man zum Schluss das Positive betonen, schließlich geht es beim Motivieren ja darum: Zu spät ist es nicht, das Ruder herumzureißen. Bewährte Konzepte und Methoden lassen sich zum Teil schnell und einfach umsetzen. Da darf auch mal philosophisch werden:
“Man liebt das, wofür man sich müht – und müht sich für das, was man liebt.”